
Die größten Neuerungen der gestrigen WWDC-Keynote wurden ohnehin schon in der gesamten Techblog-Szene durchgekaut, darum hier einige Dinge, über die noch kaum oder gar nicht geschrieben wurde, die aber dennoch spannend sind.
1. Craig Federighi ist einfach toll.
Nach Scott Forstalls Abgang (oder besser: Rauswurf) freuen sich nicht nur iOS-Nutzer über ein frisches Interface - auch die Präsentation sind jetzt wesentlich besser und vor allem unterhaltsamer. Da gestern fast nur Software vorgestellt wurde war Federighi fast durchgehend auf der Bühne und machte die gestrige Keynote zu einer der besten in den letzten Jahren.
2. Apple hat nicht das Selbstvertrauen verloren.
Nach dem eher peinlichen Fehltritt vor der Ankündigung des Samsung Galaxy S4 positionierte Apple sich gestern mit einem genialen, monochrom gehaltenen Video über die Design-Philosophie und einem thematisch ähnlichen TV-Spot am Ende der Keynote wieder als eine unangefochten starke Bastion guten Designs und strich die intensive emotionale Bindung zwischen Unternehmen und Kunde heraus. Der altbekannte Slogan “Designed by Apple in California” wurde dabei mehrmals in den Fokus gerückt. Abgerundet wurde diese Strategie noch durch die Benennung von OS X nach einem kalifornischen Surfort und der Produktion des neuen Mac Pros in den USA. Beide Videos kann man auf der Website sehen.
3. iOS 7 entstand eindeutig unter Zeitdruck.
Was wir gestern sahen wirkte teils unfertig und wenig durchdacht. Der größte Schwachpunkt ist meiner Meinung nach das Design der Icons (eine Meinung, die auf Twitter und in Kommentarenhäufig zu lesen war) und der überbordende Einsatz der verwischten Transparenz-Effekte. Um es präziser auszudrücken: Ich finde 90% von iOS 7 wirklich wunderschön und meine Erwartungen wurden mehr als nur erfüllt. Die 10%, wo Apple gepatzt hat sind dafür um so schmerzhafter. Nachdem wir aktuell aber lediglich eine Beta-Version haben und bis zum finalen Release noch eine Menge Zeit vergeht bin ich zuversichtlich, dass einige Kritikpunkte noch ausgebessert werden.
Insgesamt war die gestrige Keynote toll. Wir sahen eine Firma, die, einer Trillion dümmlicher “hat Apple die Innovationskraft verloren”-Artikel zum Trotz, tolle Hardware und Software mit schönem Design vorstellte. Oder, um es mit Phil Schiller auszudrücken: “‘Can’t innovate anymore’, my ass.”
Wer sich nicht die ganze Keynote (knapp zwei Stunden) ansehen will, The Verge hat einen 10-minütigen Überblick über die wichtigsten Neuerungen.