Martin Schmidler



Technologie, Politik, Gesellschaft, Musik, Gedanken.


Neubeginn.

Breathtaking view from a mountaintop

Es ist selten, dass viele Veränderungen auf einmal eintreten. Das Leben der meisten Menschen verändert sich nur langsam. Das ist wahrscheinlich auch besser so, denn jede Aktion, jeder Gedanke braucht auch Zeit um be- und verarbeitet zu werden, um schließlich irgendwann, oft auch schmerzhaft, in unserem Gedächtnis zu landen, diesem Feld aus Rillen und Furchen. Aber für mich verändern sich gerade mehrere Dinge auf einmal.

Die Qual der Wahl hinter mir.

Zuallererst wäre da natürlich das Studium. Damit habe ich mich jahrelang 1 gequält. Zuerst war es, auf Grund der Vorbildung ja naheliegend, die Musik. Dann, letztes Jahr: Lehramt Englisch und Geschichte; das war nach kürzester Zeit wieder verworfen 2. Dann war ich orientierungslos, ging arbeiten, hatte nicht viel Kontakt zu Leuten, die mir ähnlich waren 3. Mein alter Wunsch, in die IT-/Web-Branche zu gehen war wieder da. Start-Ups sind ja wie Rockbands 4. Es schien Gründergeist und Risikobereitschaft in mir zu stecken; ja, nachdem ich “The Social Network” im Kino gesehen hatte, erfuhr ich etwas wie eine religiöse Erweckung. Ich meldete mich an den FHs Hagenberg und Joanneum an, nur um etwas schmerzlich zu erfahren, dass mir für diese Wege sowohl Vorbildung als auch Begabung fehlten. Diese Einsicht kam spät. Aber man muss sich vorstellen, wie lange ich diese Gedanken mit mir herumgeschleppt habe – sie zerebral zu den Akten zu legen war eines der besten Dinge, die mir in meinem Leben widerfahren sind.

Politikwissenschaften + Publizistik und Kommunikationswissenschaften.

Schlussendlich ist es nun auch wieder eine Idee, die ich schon länger mit mir herumschleppe, immer im Hinterkopf, wo sie alle paar Monate einmal aufblitzte. Nur offenbar nicht stark genug, sonst wäre ich schon früher zu dieser Entscheidung gekommen. Ich will meinen Entschluss, diese Richtungen zu wählen, gar nicht versuchen zu erklären; sie sind schlicht aus der Not 5 gewählt worden. Mein Interesse steht außer Frage und mein Gefühl sagt mir, kaum ohne Zweifel, dass die Entscheidung richtig und gut war und sein wird. Zumindest habe ich sofort am ersten Tag gemerkt, wie unheimlich glücklich es mich macht, mein Hirn endlich wieder mit Wissen zu füttern. Das hört sich komisch an, aber es ist einfach so.

Weg von etwas, das seinen Zweck als Zuhause erfüllt hat.

Das Haus in dem ich aufgewachsen bin und mit dem ich so viel verbinde fängt an, ausgedient zu haben. Es wird Zeit einen eigenen Platz zu finden; eine Suche, die noch etliche Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern wird. Wobei – dieses Gefühl ist doch auch ein Nebeneffekt von beinahe einem vollen Jahr, das ich an dem Ort meiner Kindheit zusätzlich verbracht habe und der Vorfreude auf Wien. Ja, ich wohne in Wien und es wird ist toll. Ich habe festgestellt, dass das nicht unwesentlich mit der iPhone-App der Wiener Linien zusammenhängt. Das mag amüsieren, aber für mich bedeutet zwischen Gasse A und Straße B zu stehen und nicht zu wissen – wohin?! – Angst und Unsicherheit. Jetzt ist diese nicht mehr existente Angst vor Städten gleichzeitig beängstigend und belustigend zugleich. Und bald wird dieses Gefühl anderen weichen; eine gewisse Abneigung kann man gegen Städte auf Dauer wohl nicht verhindern.

Etwas voreingenommen durch mein negatives Studentenheim-Intermezzo in Graz letztes Jahr und durch meine leichte Menschenscheu war die WG diejenige Wohnform, die mir am erträglichsten schien. Ich wohne mit – festhalten – zwei Norwegerinnen, einer Irin und drei Linzer Studenten. Es ist keine richtige 7er-WG, da auf zwei Stöcke verteilt. Ich kenne die Leute jetzt schon ein bisschen, optimal ist es nicht, aber auch nicht wirklich schlecht. Man lebt sich zusammen. Ich habe zumindest keine Angst davor.

Loslassen alter, erlernen neuer Konventionen.

Ich habe keiner anderen Materie in meinem Leben mehr Zeit gewidmet als der Musik. Dass ich sie nicht zu meinem Studium mache verwundert dadurch wahrscheinlich nur noch mehr, aber egal. Auf alle Fälle werde ich meine Mitgliedschaft im örtlichen Musikverein pausieren 6, meinen Songwriting-Ambitionen werde ich hingegen mehr Zeit widmen. Ein Traum, der ebenfalls erst zwei Jahre reifen musste, um verwirklicht zu werden. Ein paar andere Dinge möchte ich auch noch grundlegend verändern, aber das aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

So oder so. Die Langeweile wird es in den nächsten Monaten auf jeden Fall schwierig haben.

  1. um genauer zu sein, vier
  2. aus Gründen
  3. ein Fehler, aber auch kein leichtes Unterfangen.
  4. meint Oliver und hat Recht
  5. ich werde, wenn irgendwie möglich, nie wieder in meinem Leben körperliche Hilfsarbeit verrichten.
  6. oder auch beenden.

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