Siri und die Menschlichkeit

Die Vorstellung des iPhone 4S ist jetzt zwar schon wieder zwei Wochen aus, ich muss aber trotzdem dazu noch etwas anmerken. Abgesehen von den weit überzogenen Erwartungen, den enttäuschten Nerds auf Twitter und den (letztendlich doch) wiederum Maßstäbe setzenden Vorbestellerzahlen fällt vor allem eines auf: Die Sprachassistentenfunktion, Siri.
Spät, aber besser.
Spracherkennung gibt es schon eine Zeit lang, in den letzten Jahren wurde die Technologie sogar halbwegs benutzbar. Aber wirklich durchgesetzt hat sie sich auch nie wirklich. Der Grund ist der selbe wie bei so vielen Technologien und Entwicklungen auch, die erst durch Apple wirklich massentauglich wurden. Ein Grund, der eigentlich derart frappierend und offensichtlich ist, dass ihn doch längst alle Hersteller und auch der letzte CEO und Product Manager in der Technologiebranche erkannt haben müsste. Haben sie aber nicht.
Microsoft hat mit Windows Phone 7 ordentliche Arbeit geleistet und sehr viel Wert auf Details und Bedienbarkeit gelegt. Und erst gestern hat Google mit Android 4.0 eine runderneuerte User Experience für das hauseigene OS präsentiert. Matias Duarte, der Head of User Experience, ist sich des Problems bewusst:
“With Android, people were not responding emotionally, they weren’t forming emotional relationships with the product. They needed it, but they didn’t necessarily love it.”
Aber ob Android 4.0 das Problem lösen wird? Ich bezweifle es. Zu stark ist die Fokussierung auf technische Fakten, die Otto Normaluser einfach nicht interessieren. Zu sehr vermarktet man die Geräte als High-End Gadgets (siehe die “Droid”-Kampagnen). Und das OS scheint seine Angewohnheit zu “laggen” nachwievor nicht losgeworden (10. Absatz) zu sein.
Zugegeben, das Thema “was macht Apple zu Apple” ist wirklich schon extrem abgenutzt. Aber auch wieder nicht, denn kaum ein Hersteller hat das Erfolgsrezept der Kalifornier wirklich verstanden. Dabei erklärt Apple selbst das eigene Erfolgsrezept perfekt – in nur dreißig Sekunden. Was ich meine? Menschlichkeit.
Apple macht Technologie menschlich.
Und mit Siri liefern die Kalifornier das wahrscheinlich schönste Beispiel für diese “Menschlichkeit” seit Jahrzehnten. Es war Jobs’ letzter Geniestreich1. Sprachbefehle kann fast jedes Smartphone. Aber bei Apple hat es einen weiblichen Vornamen. Und in einer der nächsten Versionen wird das ganze dann nicht mehr nach einem Roboter klingen, sondern nach einer echten, erwachsenen Frau. Der Tumblelog “Stuff That Siri Says”, der lustige Antworten von Siri sammelt, zeigt somit die Philosophie eines Unternehmens und erinnert auch den uralten Traum nach Menschlichkeit, den es seit Anbeginn der Computertechnologie gibt – Menschlichkeit.
Aber vielleicht steckt schlussendlich dann doch nur dieser Apparat dahinter
- und jetzt bitte die Leute die mir erklären, dass Apple zigtausende Mitarbeiter hat. Duh. ↩
