Zurück zur SAAAchlichkeit
Dominik Leitner, den ich ansonsten sehr schätze, meint in einem Artikel:
“Wollen wir wirklich unabhängiger von den Märkten werden, sollten wir Ratingagenturen mit vollem Wissen und Gewissen ignorieren. Doch dazu ist die Politik zu feige.”
Nach allem, was ich in den letzten Wochen und Monaten zu diesem Thema gelesen habe ist das schlicht und einfach Blödsinn1. Natürlich bedarf es hier – wie bei so vielen Dingen auf den Finanzmärkten – einen kritischen Zugang, aber Ratingagenturen zu ignorieren ist einfach kindisch und naiv, genau so wie sie zu verteufeln. An den Einschätzungen dieser Firmen richten sich immerhin jene Investoren, die unsere Staatsschulden kaufen – und der begrüßenswerte Nebeneffekt: Die Ratings halten den Staaten beinhart den Spiegel der Realität vor.
“AAustria ist noch genauso gut und furchtbar wie AAAustria. Es hat sich nichts verändert, nur vielleicht die Meinung eines einzigen Unternehmens über Österreich. Und so unberechtigt ist dessen Abstufung womöglich auch nicht.”
Ist das tatsächlich ernst gemeint? Natürlich treten Veränderungen durch derartige Abstufungen erst längerfristig ein – aber sie sind kein Grund egalitär zu werden. Höhere Zinsen bei schlechteren Ratings sind meines Wissens nach unabdingbar. Tatsächlich begründet Standard & Poors das gesenkte Rating sehr verständlich mit der wirtschaftlichen Lage in den Nachbarländern Italien und Ungarn. Das ist natürlich ein Problem das rein europäisch zu lösen ist und wieder einmal kann man die mangelnde Effizienz und Entscheidungsfreudigkeit aktueller europäischer Spitzenpolitiker beobachten. Ein weiterer Punkt, den S&P verbessert sehen will ist neben Sparmaßnahmen auch Investitionen in das heimische Wirtschaftswachstum (mehr dazu im Kommentar von Eric Frey).
Um wieder auf mein ursprüngliches Thema zurückzukommen: Ja, die aktuelle Situation könnte besser sein. Apokalyptische Meldungen, wie sie Dominik angeblich gelesen haben will (die er aber nicht verlinkt hat) finde ich im Wirtschaftsblatt keine. Summa summarum ist Panikmache in der aktuellen Situation wenig hilfreich, Polemik ist es ebenso wenig.
- Ich schicke voraus, dass ich in puncto Wirtschaft zwar ein gewisses Interesse aber (leider) keine profunde Expertenmeinung vorweisen kann. Meine Aussagen stützen sich daher wie gesagt größtenteils auf Zeitungslektüre. ↩
Vielen Dank für diese Antwort. Zuerst einmal: ich habe das in meiner Kolumne geschrieben, etwas überspitzt, bewusst polemisch und aufgrund meines gefährlichen Halbwissens auch maximal nur halbwahr. Aber einige Punkte möchte ich hier auch noch anbringen:
Meine Abneigung gegen Ratingagentur kommt nicht von ungefähr. Im Buch “Stoppt das Euro-Desaster!” wurde ich mit der Aussage konfrontiert, dass die Ratingagenturen mit Sitz in den USA zum Teil ganz bewusst die Eurozone schwächen wollen, um den Dollar zu stärken und als Weltwährung weiter zu halten. Alleine mit diesem Hintergrund ist das Rating der USA ein großer Warnhinweis.
Die “apokalyptischen Meldungen” waren auf jene Dinge bezogen, dass sich unsere Politiker gleich zu entschuldigen wussten, als das AA+-Rating da war. Und das, obwohl sie seit Wochen an einer Bremse, also an einer Veränderung arbeiten. Sie hätten genauso gut erklären können, wie man in den kommenden Jahren etwas verbessern will, ohne die Schuld des verschlechterten Ratings bei vielen anderen Dingen zu suchen.
Und ich habe es auch in meiner Kolumne auch geschrieben: Man darf sich von solchen Ratings nicht verunsichern lassen. Sollte man gewissenhaft an Verbesserungen arbeiten, ist ein Downgrading (nennt man das so?) relativ irrelevant … nur wenn man tatenlos zusehen würde, wäre es wirklich schlimm.
So viel dazu. Wobei auch ich sagen muss, dass Wirtschaft nicht unbedingt mein Thema ist. Ich lerne durchs Hörensagen, und versuche da, so viele Ansichten wie möglich anzusammeln.
Dass die Amerikaner den Euro schwächen wollen um selbst besser dazustehen ist mir klar.
Und noch kurz zu dem von dir gewählten Stil: Ich denke, dass sehr viele Menschen (auch gebildete in unserem Alter) ihren Hass genau so artikulieren, wie du es – bewusst ironisch! – getan hast. Daher finde ich, dass man bei heiklen und komplexen Themen entweder extrem sachlich und aufklärerisch schreiben sollte oder derart überzeichnet, dass man wirklich darüber lachen kann.